Twitter – Sind wir bereit für real time?
Nach 3 Wochen der Twitter-Nutzung möchte ich kurz meine erste Eindrücke schildern, da ich als ein Neuling zwar von dem Dienst begeistert bin, aber noch einen gewissen Abstand habe, um aus meiner Sicht kritische Punkte zu nennen.
Okay, die positiven Dinge zuerst :
(1) Es ist sehr bereichend, mit sehr interessanten Leuten aus der Web-Welt vernetzt zu sein.
(2) Die Aktualität der Informationen ist wirklich einmalig! (siehe dazu meine persönliche Erfahrung – 5 Minuten schneller als der Pressesprecher von Google).
(3) Twitter ist ein super Kanal, um eigene Ideen zu veröffentlichen und mit Gleichgesinnten zu diskutieren.
(4) Hohe Verbreitung von interessanten Nachrichten via retweet (The Awesome Potential Of Retweet via techcrunch).
(5) Asymetrische Kommunikation – man braucht nicht alle User zu verfolgen, die Dich verfolgen (mehr dazu Twitter versus Social Network: “The Benefits of Asymmetric Follow” by Tim O’Reilly).
Hier sind die Punkte, die ich kritisch sehe:
(1) Mit Twitter haben wir die Möglichkeit in Real Time zu kommunizieren. Sind wir bereit dafür? Hierzu gibt es ein interessanter Kommentar von Co-Gründer von Twitter Biz Stone:
Biz Stone said that the existence of Twitter putting out information so quickly has caused everyone to reconsider what else should go out at real-time speed.
“ I think there’s still tons of learning to be had here, what’s relevant, when does real-time make sense?,” Biz said.
Aber wirklich, wen interessiert es, ob man “ein Bier im Garten trinkt”, “zur Sport geht”, “mit einer Katze spielt” oder “die Freunde in der Kneipe trifft”. Natürlich die Tweets müssen persönlich sein und sich nicht nur auf einen reinen Informationsaustausch beschränken. Aber wenn “die Welt nicht braucht Tweets” den Überhang nehmen, dann finde persönlich schwierig zu verfolgen.
(2) “Die Welt nicht braucht Tweets” sind relativ, wie auch alles in diser Welt
Bei manchen Twitter freue ich mich gerade über die persönliche Nachrichten, da ich diese gut kenne oder mit denen befreundet bin. Es wäre super unterschiedliche Userlisten zu erstellen. Die drei folgenden wären für mich sinnvoll: E-Commerce/Web, Allgemeine News, Privat. Es geht nicht nur mir so, hier ist ein Kommentar von Biz Stone dazu:
Stone also said Twitter’s considering a way that friends could almost be grouped into categories:
“One of the things people have been asking forever for is a way to create lists of accounts, a way to swap lists around,” he said.
He stressed there are no immediate plans for this — it might not even happen. It’s one of many ideas that Twitter is discussing. But it’s an interesting one. In a way, it would turn groups of friends on Twitter into playlists that you could share with others.
(3) Einerseits freue ich mich immer wie ein kleines Kind (wahrscheinlich Twitter-Neuling-Syndrom), wenn ein von mir geschriebener Blogartikel retwittet wird, anderseits nervt mich auch schon ein wenig, dass ich die gleiche Meldung 10 Mal bekomme und die letzten zwei Retweets erst eine Woche nachdem ich zum ertsten Mal davon erfahren habe. Das Bild visualisiert die Situation ganz gut:

- trending topics on twitter
Also bei Twitter ist auch wie bei der wissenschaftlichen Arbeit auf die Ursprungsquellen zu setzen. Dann merkt man auch, dass die bekannten Blogs aus den Vereinigten Staaten, die für mich früher wirklich der Ausdruck der Aktualität waren, auch nur mit Wasser kochen. Beim Bloggen wird nicht mehr die Neuwertigkeit der Information wichtig, sondern die Einordnung in den Zusammenhang und die persönliche Meinung des Bloggers.
(4) Es gibt die Meinung, dass Twitter die Blogs vernichtet. Ich kann mich dieser Meinung anschließen. Letzte Monate konnte ich bei den von mir gelesenen Blogs beobachten, dass diese wenig häufiger geplfelgt worden waren. Dann habe ich gesehen, dass die Leute auf Twitter super aktiv waren.
Jetzt kann man verstehen, wieso Robert Basic seinen Blog “Basic Thinking” am Anfang des Jahres verkauft hat …
Das ist Spaß natürlich! Aber er ist auch auf Twitter unter RobGreen sehr aktiv.
Dazu kann man nur das empfehlen: “19 Reasons You Should Blog And Not Just Tweet“. Es wäre Schade, wenn man im Eifer des Retweetens selbst nichts neues schafft.
Ja, Twitter bietet uns die Möglichkeit im Real Time zu kommunizieren. Wir und auch Twitter müssen lernen, damit auch richtig umzugehen. Das Verhalten, was ich als kritisch beschreibe, wird auch von mir selbst praktiziert … also long way to go bis wir wirklich bei real time angekommen sind.
P.S.: #magendarmvirus führt zu viel twittern, nachdenken, zwieback essen, blogs schreiben und lesen, schlaffen, pocken bestellen … es ist super für social media
Jan 6:51 pm on July 17, 2009 Permalink |
Hey Stan,
auf spiegel.de ist ein interessanter Artikel über eine Studie über die Verbreitung von Nachrichten in den Medien – darunter auch Blogs – erschienen.
Da heisst es: Etablierte Medien sind schneller als Blogger. Eines der Ergebnisse ist, dass die etablierten Medien wichtige Nachrichten meist früher als Blogger aufgreifen. “Nur 3,5 Prozent aller von uns verfolgten Geschichten sind zuerst dominant in Blogs aufgetaucht”, so die Forscher.
Aber auch: Nimmt die Nachricht bei den Mainstream-Medien aber richtig Fahrt auf, bricht die Zahl ihrer Nennungen in den Blogs ein. Erst mit einiger Verzögerung steigt die Kurve wieder – und landet dann meist auf einem Niveau, das interessanterweise höher ist als zuvor: Während die Mainstream-Medien schon weitergezogen sind, tobt in den Blogs noch die Diskussion.
Über die Nachrichtenverbreitung mittels Twitter wird nichts gesagt. Die müssten ja noch schneller sein als die Blogs. Aber worauf verweisen sie, wenn noch nichts in den Blogs steht? Auf die redaktionellen Artikel der etablierten Medien?
VG
Jan
Jan 6:51 pm on July 17, 2009 Permalink |
hier noch angesprochene Artikel:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,636162,00.html
eminded 6:01 pm on July 18, 2009 Permalink |
Hi Jan,
Danke für den Hinweis! Ein interessanter Artikel.
Twitter ist auf jeden Fall schneller als Blogs. Man muss nicht unbedingt auf die anderen Seiten verlinken. Die Twitter Nutzer können die selbstgemachten Fotos und Videos veröffentlichen oder einfach 140 Zeichen nutzen, um eine Nachricht zu verbreiten. Zum Beispiel kurz und knapp: “Michael Jackson ist tod!” Die Aufgaben von Journalisten wird dann nicht mehr die Schnelligkeit und Aktualität, sondern unabhängig diese “Informationsfetzen” zu einer Story zusammenzustellen.
Ein interessanten Artikel dazu hat Ossi Urchs gescrieben:
http://www.urchs.de/4/ossi/2009/06/das-echtzeit-web-und-die-zukunft-des-journalismus.html
Viele Grüße,
Stan